Silber und Gold bei der U18-Weltmeisterschaft
(JH) In der Abendsonne des schweizerischen Reiden endet am vierten Turniertag die U18-Faustball-Weltmeisterschaft mit zwei packenden Finalspielen. Das Podest teilen sich Österreich bei den Frauen und Deutschland bei den Männern.
U18-Frauen-Finale – Österreich ist nicht zu greifen
Von einer Stunde Zeitverzug ließ sich die deutsche Mannschaft um das Trainerteam Heike Hafer und Kim Trautmann nicht beirren. Mit viel Selbstvertrauen und nach einer ungeschlagenen Vorrunde gingen die deutschen Frauen in das Endspiel. Nach dem deutlichen Vorrundensieg gegen Österreich lag der Hauch eines Sommermärchens in der Luft. Doch dieser wurde spätestens mit den starken Windböen, die bereits im ersten Satz einsetzten, verweht. Mit den ersten Bällen kündigte sich ein Spiel auf Augenhöhe an.
Kapitänin Leni Hasselberg meisterte die Angaben unter den schwierigen Bedingungen und sorgte mit halblangen Bällen gegen den Wind zunächst für viel Unruhe im Spielaufbau der Österreicherinnen. Doch auch im deutschen Spiel wollte sich die gewohnte Geduld und Sicherheit – Punkte auch im zweiten oder dritten Anlauf herauszuspielen – nicht einstellen. So liefen die Deutschen den gesamten ersten Satz einem kleinen Rückstand hinterher und kämpften sich mit großem Einsatz immer wieder heran. Dennoch war Österreich insgesamt die besser im WM-Finale angekommen und sicherte sich den ersten Satz verdient mit 7:11.
Im zweiten Satz bot sich die Chance, ins Spiel zurückzufinden. Lange verlief der Durchgang ausgeglichen, doch ein konsequenter Spielaufbau bis zum direkten Zuspiel gelang dem deutschen Team zu selten. Auch Wechseln im Angriff gelang kein eindeutiger Durchbruch gegen die immer stärker aufspielenden Österreicherinnen. Satz zwei ging schließlich mit 10:12 ebenfalls an Österreich.
Im dritten Satz erneut gegen den Wind, gelang es den Deutschen nicht, die Zuspiele flacher und damit weniger anfällig für die Böen zu gestalten. Aus vielen unruhigen Rückschlagsituationen entwickelte sich schnell ein deutlicher Vorsprung für die Gegnerinnen in Weiß-Rot. Das Spiel schien dem deutschen Team zu entgleiten, und auch eine frühe Auszeit beim Stand von 2:5 brachte nicht die gewünschte Wende. Die Österreicherinnen blieben kompakt und präsentierten sich auf allen Positionen defensiv überragend. Kaum ein deutscher Angriffsschlag führte direkt zum Punktgewinn. Livia Sternbauer und Katharina Teufer wehrten auf den Vorderpositionen im Team Österreich nahezu jeden Ball ab und verschafften sich durch die starke Mannschaftsleistung in der Defensive die Leichtigkeit, immer wieder mit variantenreichen Angriffen und Trickbällen zu punkten.
Viel zu schnell hatte Österreich sechs Matchbälle herausgespielt. Mara Bartsch, inzwischen in der Angabe eingesetzt, stellte sich dieser Herausforderung und ermutigte ihr Team nicht nur verbal, sondern auch mit einem Angaben-Ass. Der Beginn einer Rally? Mit großem Kampfgeist verkürzte Deutschland den Rückstand von 4:10 noch auf 6:10. Im dritten Anlauf verwandelte Livia Sternbauer schließlich mit einem Ass den entscheidenden Ball und sicherte Team Austria den Weltmeistertitel.
Nach den ersten getrockneten Tränen durfte auch Team Deutschland stolz feiern. Mit der Silbermedaille und dem Titel des Vize-Weltmeisters belohnt sich ein junges Team für ein herausragendes Turnier, das sie mit beeindruckendem Teamgeist absolvierten. Die gezeigten Leistungen, Fokus und Atmosphäre machen Mut – und das Team blickt bereits hungrig auf die kommenden internationalen Herausforderungen.
U18-Männer-Finale – Deutsches Team bleibt fokussiert bis zum Schluss
Die Spannung in der Luft war förmlich zu greifen. Direkt im Anschluss an das Frauenfinale ging es für die U18-Männer um das Trainerteam Kolja Meyer und Tim Lemke ebenfalls gegen Österreich um den Weltmeistertitel. Da nun auch die letzte freie Grundlinie von den weiblichen Teams beider Nationen gefüllt war, bot der Center Court in Reiden eine lautstarke und energiegeladene Finalatmosphäre.
Bereits vor dem Einlauf war den Starting Five um Kapitän Paul Kloster die Anspannung anzusehen. Gleichzeitig strahlte das Team aus, dass es sich auf der großen Bühne und auf dem Faustballfeld zuhause fühlt. Mit viel Ruhe und Konzentration ließen sich die Deutschen auch von der starken Gegenwehr der Österreicher nicht aus dem Konzept bringen. Beide Mannschaften schenkten sich von Beginn an nichts und hielten mit außergewöhnlichem Einsatz nahezu jeden Ball im Spiel. Beim Stand von 9:9 übernahm dann Jasper Weusthoff Verantwortung: Erst punktete er mit der Angabe, anschließend entschied er den Satz mit einem weiteren Ass im Return zugunsten Deutschlands.
Im zweiten Satz startete Team Austria deutlich druckvoller. Doch die jungen Männer in Schwarz-Rot-Gold ließen sich vom zwischenzeitlichen Rückstand nicht aus der Ruhe bringen. Immer wieder motivierte sich das Team gegenseitig und wurde zusätzlich von den lautstarken Anfeuerungsrufen der deutschen U18-Frauen getragen. Einen Satzball der Österreicher wehrten die Deutschen ab, bevor sie sich auch den zweiten Durchgang mit 12:10 sicherten.
Ab dem zweiten Satz hatte Team Austria jedoch eine klare taktische Marschroute eingeschlagen, die im dritten Durchgang immer besser funktionierte. Mit gezielten Angriffen über die Seiten zwangen die Österreicher die deutschen Angreifer Jasper Weusthoff und Joey Bieniek zunehmend in die Defensive. Um die Außenbereiche abzusichern, musste die deutsche Abwehr immer weiter öffnen, wodurch sich Lücken an der Grundlinie ergaben. Diese nutzte Österreich konsequent aus und entschied den dritten Satz deutlich mit 11:6 für sich.
Das deutsche Team ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Die Trainer Kolja Meyer und Tim Lemke reagierten und zogen Sven Trautmann in der Spielfeldmitte weiter nach vorne. Bereits im Turnierverlauf hatte Trautmann bewiesen, dass er die Zuspielposition sowohl im klassischen U-System als auch 7m vor der Mittellinie auf höchstem Niveau ausfüllen kann. Durch diese Umstellung wurden die beiden Angreifer defensiv spürbar entlastet und fanden wieder deutlich besser ins Angriffsspiel.
Dennoch blieb Österreich ein ebenbürtiger Gegner und erspielte sich im vierten Satz erneut einen Satzball. In den entscheidenden Ballwechseln bewiesen die Deutschen jedoch eindrucksvoll ihre mentale Stärke. Sie wehrten den Satzball ab, drehten den Durchgang noch zu ihren Gunsten und sicherten sich mit einem 13:11 den vierten Satz – und damit den Weltmeistertitel. Deutschlands U18-Männer krönen sich nach einem hochklassigen Finale verdient zum neuen Weltmeister.
Danke an das Team hinter dem Team
Die Erfolge dieser Weltmeisterschaft sind kein Zufall. Sie sind das Ergebnis hervorragender Trainerarbeit, zahlreicher Lehrgänge und unzähliger gemeinsamer Trainings- und Vorbereitungseinheiten.
Ein besonderer Dank gilt den Trainerteams um Heike Hafer, Kim Trautmann, Kolja Meyer und Tim Lemke, die ihre Teams mit großer Fachkompetenz, Leidenschaft und viel Engagement durch die Vorbereitung und das Turnier geführt haben.
Ebenso bedanken wir uns bei den Physiotherapeutinnen Sarah Burkhart und Michelle Rienermann, die an der Seitenlinie weit mehr geleistet haben als regenerative Behandlungen sowie Cool-down- und Mobilitätseinheiten. Als Motivatorinnen, Ansprechpartnerinnen und wichtige Stützen des Teams waren sie während der gesamten Weltmeisterschaft unverzichtbar.
Ein großer Dank geht außerdem an Holger Hoffmann, der die Mannschaften erstmals als Sportpsychologe begleitet hat. Mit seinem unermüdlichen Engagement ergänzte er das Team sowohl in den zahlreichen Vorbereitungsgesprächen als auch während des Turniers hervorragend. Er half dabei, den Fokus zu bewahren, stärkte die Athletinnen und Athleten in entscheidenden Momenten und war ein wichtiger Baustein für den gemeinsamen Erfolg.
Nicht zuletzt gilt unser Dank Markus Knodel und seiner Frau Nadine, die als Delegationsleitung hinter den Kulissen unermüdlich für das Team im Einsatz waren. Von der Lehrgangsplanung bis zur Organisation vor Ort professionalisieren sie die Abläufe kontinuierlich und schaffen damit die bestmöglichen Rahmenbedingungen für die sportliche Entwicklung aller Beteiligten.
Der größte Dank gilt schließlich allen Eltern, Familien und Fans. Sie unterstützen unsere U18-Athletinnen und U18-Athleten mit großem Engagement, nehmen weite Anreisen auf sich und leisten einen entscheidenden Beitrag dazu, dass sich unsere Talente Tag für Tag weiterentwickeln können. Ohne diese Unterstützung wären solche Erfolge nicht möglich.
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