Abschlussbericht zur Deutschen Meisterschaft der Frauen und Männer in Bardowick

Foto: Uwe Spille

Von der herzlichen Begrüßung bis zur stimmungsvollen Siegerehrung

Am vergangenen Wochenende konnten zahlreiche Spielerinnen und Spieler, Trainer, Betreuer sowie Faustball-Fans aus ganz Deutschland eine rundum gelungene Deutsche Meisterschaft der Frauen und Männer in Bardowick erleben. Spannende Spiele auf höchstem Niveau, eine familiäre Atmosphäre und viele engagierte Helfer machten den 18. und 19. Juli 2026 zu einem echten Faustballfest.

Dass Bardowick Gastgeber dieser Meisterschaft wurde, begann mit einer Idee. Michaela Grzywatz aus Bardowick, Nationalspielerin des Ahlhorner SV, und Mareike Sieling vom Förderverein Faustball im TSV Bardowick überlegten gemeinsam, die Deutschen Meisterschaften nach Bardowick zu holen. Nach Rücksprache mit weiteren Unterstützern bewarb sich der TSV Bardowick kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist im September 2025 um die Ausrichtung. Bereits im Oktober folgte nach ersten Gesprächen mit Faustball Deutschland die Zusage – und damit der Startschuss für neun intensive Monate der Vorbereitung.

Zunächst definierte ein fünfköpfiges Organisationsteam die anstehenden Aufgaben und verteilte diese auf verschiedene Arbeitsgruppen. Im Januar 2026 wurden bei einem Informationsabend zahlreiche Vereinsmitglieder eingebunden und der Ablauf der kommenden Monate vorgestellt. Von diesem Zeitpunkt an wuchs das Projekt Schritt für Schritt – getragen von einer beeindruckenden Gemeinschaft.

„Besonders hilfreich waren die Handwerker und handwerklich Begabten in den eigenen Reihen“, berichtet Mareike Sieling aus dem Organisationsteam. „Außerdem hat es sich ausgezahlt, die Aufgaben frühzeitig zu verteilen und klare Verantwortlichkeiten festzulegen.“

Viele der investierten Arbeitsstunden werden den Verein auch über die Deutsche Meisterschaft hinaus bereichern. Die frisch gestrichene Tribüne, die kreativ gestaltete Metallwand oder auch die umfangreichen Erfahrungen in der Rasenpflege kommen künftig allen Veranstaltungen auf der Anlage zugute. Ebenso wertvoll war der enge und vertrauensvolle Austausch innerhalb des Organisationsteams sowie mit Faustball Deutschland, der viele Entscheidungen erleichterte.

Neben der organisatorischen Planung galt es auch, finanzielle Risiken abzuwägen. Während die Eintrittserlöse zur Deckung der Veranstaltungskosten an Faustball Deutschland fließen, verbleiben die Einnahmen aus Catering und Abendveranstaltung beim Ausrichter. Wetter, Zuschauerzahlen und die Resonanz auf die Abendveranstaltung lassen sich jedoch nur bedingt planen und mussten bei allen Überlegungen berücksichtigt werden. Umso größer war die Erleichterung, als sich das Konzept am Veranstaltungswochenende voll auszahlte.

Parallel liefen auch bei Faustball Deutschland die Vorbereitungen auf Hochtouren. Dazu gehörten unter anderem die Organisation der Zusatztribüne und der LED-Wand, der Livestream, die Öffentlichkeitsarbeit sowie die gesamte sportliche Durchführung mit Spielleitung und Siegerehrung einschließlich Pokalen, Urkunden und Medaillen. Das enge Zusammenspiel zwischen Ausrichter und Verband bildete die Grundlage für einen reibungslosen Ablauf.

Als das erste Spiel angepfiffen wurde, war von monatelanger Vorbereitung nur noch die professionelle Umsetzung zu sehen: Die Tribünen waren aufgebaut, die Spielfelder bestens vorbereitet, die Cateringstände boten ein vielfältiges Angebot und rund 100 engagierte Helfer sorgten dafür, dass sich Mannschaften, Schiedsrichter und Zuschauer jederzeit willkommen fühlten. Ob Einlass, Catering, Technik, Platzpflege, Auf- und Abbau oder Organisation im Hintergrund – überall packten Menschen mit an und machten die Meisterschaft zu einem besonderen Erlebnis.

Der TSV Bardowick hat mit großem Engagement, viel Herzblut und bemerkenswerter Teamarbeit bewiesen, dass eine Deutsche Meisterschaft auch von einem Verein getragen werden kann, wenn viele Menschen gemeinsam an einem Strang ziehen. Die Aufgabe ist anspruchsvoll, aber sie ist mit guter Planung, klaren Strukturen und einer starken Gemeinschaft zu bewältigen. Die vielen positiven Rückmeldungen von Mannschaften, Offiziellen und Zuschauern bestätigen eindrucksvoll, dass sich dieser Einsatz gelohnt hat.

Ein herzliches Dankeschön gilt deshalb dem gesamten TSV Bardowick mit allen Helferinnen und Helfern, Sponsoren, Unterstützern und Partnern sowie den Verantwortlichen von Faustball Deutschland. Sie alle haben dazu beigetragen, dass die Deutschen Meisterschaften 2026 nicht nur sportlich, sondern auch organisatorisch in bester Erinnerung bleiben werden.

Mindestens genauso wichtig ist aber auch die Begeisterung auf den Rängen. Faustball lebt von der Nähe zwischen Spielern und Fans, von der Atmosphäre auf den Tribünen und von den gemeinsamen Emotionen. Wer die Endrunden in Bardowick erlebt hat, weiß, dass ein Livestream vieles zeigen kann – das besondere Gefühl einer Deutschen Meisterschaft vor Ort jedoch nicht ersetzt. Deshalb gilt schon heute die Einladung an alle Faustballfreunde: Besucht auch die kommenden Meisterschaften live, unterstützt die Ausrichter und erlebt Spitzensport in einer Atmosphäre, die den Faustballsport so besonders macht.

Zur Abrundung hier noch ein paar Splitter, die am Spielfeldrand aufgeschnappt wurden:

Top-Stimmung auf der Tribüne schon vor der ersten Angabe: Zum Eröffnungsspiel der Frauen wurde der Geräuschpegel im schmucken Center Court durch die zahlreichen Fans vor allem aus Brettorf in die Höhe getrieben. Der TVB war, wie auch der TSV Pfungstadt und TSV Calw, mit Männer- und Frauen-Teams qualifiziert und hatte entsprechenden Support geliefert. Besonders lautstark ging es auch zu, wenn die Männer des TSV Hagen 1860 das Spielfeld betraten.

 

Die wohl weiteste Fan-Anreise in die Lüneburger Heide hatte Selina Blaich auf sich genommen. Sie ist die „bessere Hälfte“ von Calws Abwehrspieler Leandro Schmidberger und unterbrach ihre Weltreise für ein paar Tage, um ihren unwissenden Partner zu überraschen – und war direkt von den Fidschi-Inseln im Südpazifik eingeflogen. Die Überraschung gelang, laut einem Augenzeugen „schaute Leandro total bedeppert und brachte erst mal keinen Ton raus“. „Wahnsinn, ich war hin und weg“, bestätigte der Sportler. Und es spornte an: Schmidberger zeigte eine überragende Leistung im Spiel um Platz 3 gegen Hagen. Mit der knappen 2:3-Niederlage wurde es zwar nichts mit Bronze, die Anwesenheit des „Goldschatzes“ aber tröstete sichtlich.

 

Nach jedem Spiel wurde ein Player of the Match zum Interview gebeten. Die Experten und Livestream-Moderatoren Nicky Heldmaier, Malte Schultz und Aaron Dumke, zeitweise verstärkt durch die Nationaltrainer Annkatrin Kühner und Olaf Neuenfeld, nahmen während jeder Partie eine Vorauswahl auffälliger Akteure vor. Das Publikum im Stadion und vor den Mattscheiben durfte dann per Instagram-Abstimmung entscheiden, wer nach dem Spiel als MVP interviewt wurde. Die Geehrten mussten übrigens nicht unbedingt dem Siegerteam angehören. Der bärenstarke Allrounder Julian Lübbers vom SV Moslesfehn brachte zwar keine Medaille, aber eines der begehrten MVP-T-Shirt als Erinnerung mit nach Hause. Auf dem Foto wird Brettorfs Abwehrspieler Mats Leevi Hinrichs durch Uwe Schneider, Vorstandsvorsitzender von Faustball Deutschland, geehrt.

 

In doppelter Funktion war der erwähnte Malte Schultz gefragt. Der Bundesliga-Abwehrspieler in Diensten des VfL Kellinghusen (Feld) bzw. TSV LoLa (Halle) wechselte am Sonntag den Sitzplatz des Livestream-Kommentatoren gegen das Mikrofon des Stadionsprechers, um den verhinderten Sönke Spille zu vertreten. Apropos Mikrofon: Während der Siegerehrung versagte plötzlich die Stromzufuhr der Lautsprecheranlage und der 27-Jährige musste fünf Männerteams per menschlicher Stimmkraft aufs Podium aufrufen. Doch pünktlich zur Ehrung des Meisters TSV Pfungstadt klappte die Technik wieder. So konnte Stadion-DJ Kevin Habig zum Abschluss der Meisterschaft die Nationalhymne ordnungsgemäß erschallen lassen.

 

Dieser Kevin Habig ist übrigens auch Sanitäter beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und konnte in den Pausen manchmal mit seinen Kolleginnen und Kollegen vom ASB-Kreisverband Lüneburg plaudern. Die Ersthelfer standen in Bardowick parat, hatten aber glücklicherweise nicht viel zu tun. „Keine besonderen Vorfälle“, meldeten Fabian Jahnke und Julia Wagner zum Ende der Veranstaltung. Nicht mal ein Wespenstich war zu verarzten. So muss es sein: dass jederzeit Hilfe vor Ort ist – aber nicht in Anspruch genommen werden muss.

 

Ganz schön „thomasig“ beziehungsweise „stollig“, das DM-Turnier. Die Eheschließungen der mehrfachen Weltmeister-Brüder Patrick und Sebastian Thomas mit den ebenfalls beim TSV Pfungstadt aktiven Teresa Spadinger und Stephanie Dannecker ließen die Thomas-Fraktion in den vergangenen Jahren wachsen. An der Seitenlinie zieht der (Schwieger-)Vater, der einstige Weltklasse-Schlagmann Dieter Thomas auch als Coach erfolgreich die Strippen. Bei den Männern des TSV Calw stehen Vater und Sohn Thomas und Nico Stoll als Trainer-Duo parat. Nicos Bruder Marco spielt in der Abwehr. Zuspieler Nick Stoll wiederum sowie die Calwer Löwin Adina Stoll sind mit ihnen übrigens nicht verwandt oder verschwägert.

 

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen… An den Bewirtungsständen war jederzeit was los. Als Bestseller wurden die pikante, vegetarische Gemüse-Bolo, Currywurst mit Pommes, Bier und Weißweinschorle geordert. Auch die zahlreichen „süßen Zähne“ kamen am vielfältigen Kuchenbüffet auf ihre Kosten.

 

Die längsten Anfahrten in die Lüneburger Heide legten die Teams und Fans des TSV Calw und des TSV Dennach aus dem Nordschwarzwald zurück – rund 650 bzw. 630 Kilometer – viele davon im üblichen Freitags-Stau. Gefolgt vom südhessischen TSV Pfungstadt (530), dem Ahlhorner SV (175) und TV Brettorf (165). „Heimvorteil“ genoss der TV Jahn aus dem nur 65 km entfernten Schneverdingen. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, per Wohnmobil oder Zelt hinter der „DM-Party-Halle“ auf der Campingwiese zu übernachten, wo die Fan-Lager auf Bierchen und Gegrilltes zusammen kamen, um Faustball-Latein zu spinnen.

 

15 bestens gelaunte Zuschauer aus Ruschwedel (Landkreis Stade) saßen am Samstag auch nach dem letzten Spiel noch lange auf der Tribüne und genossen den Moment bei einem Erfrischungsgetränk. Einen Teil des durchweg männlichen Fanblocks bildete die Senioren-Mannschaft des SV Ruschwedel um Kapitän und Schlagmann Dirk Ropers. Die wurde 2023 und 2024 deutscher M55-Meister und spielt Anfang August in Segnitz um die M60-Meisterschaft. Die erfahrenen Sportler kommentierten jeden Ballwechsel und staunten vor allem über die Leistungen der Frauen auf dem Bardowicker Platz. Einer meinte: „Unglaublich, welche Bälle die heutzutage rausholen. So schnell wie die rennen, kann ich nicht mal mehr schauen.“

 

Der 31-jährige Schwabe Kevin Dannecker durfte zwei Spiele als Hauptschiedsrichter bestreiten: das Männer-Halbfinale Brettorf gegen Calw und – „der bisherige Höhepunkt meiner Laufbahn“ als Unparteiischer – das Endspiel zwischen Brettorf und Pfungstadt. Der Bruder der früheren Weltfaustballerin Stephanie Thomas stammt aus einer Böblinger Faustballfamilie und spielte bis vor einem Jahr beim NLV Vaihingen in Stuttgart. „Jetzt bin ich ausschließlich als Schiedsrichter aktiv und hoffe, auch bald mal bei einem internationalen Turnier pfeifen zu dürfen.“

 

 

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