Team-Check 1. BL Frauen Süd – Halle 2026/27

Foto: Bernhard Kaiser
Verfasst am 6. November 2026
1. Bundesliga Süd Frauen Allgemein

Am Sonntag läuten zwei Drittel der neun Teams im Bundesliga-Süden die Hallenrunde ein. Beim Aufsteiger aus Staffelstein gastieren die Teams aus Unterhaugstett und Stammheim, die Spitzenklubs aus Dennach und Segnitz reisen nach Mannheim-Käfertal. Alle anderen dürfen erst eine (Görlitz, Calw) bzw. zwei Wochen später (Pfungstadt) ins Geschehen eingreifen. Wie stehen die Teams da, welche Chancen haben sie?

Der SV Energie Görlitz meldet sich auch in der Halle zurück im Oberhaus. Die Sächsinnen um Kapitänin Larissa Härtwig verfügen über einen unveränderten Zehner-Kader und setzen noch stärker auf den Nachwuchs. „Änderungen im Training haben uns schon in der Feldrunde deutlich vorangebracht. Jede einzelne schraubt ihr Pensum noch etwas hoch“, berichtet Schlagfrau Lara Olbrisch. Zuletzt nahmen zwei Fünfer-Teams beim Vorbereitungsturnier in Merseburg teil. Saisonziel? Logo, Klassenerhalt. „Das haben wir im Feld aus eigener Kraft geschafft, daran wollen wir anknüpfen“, so die Nr. 1 im Team. Nur wenige der Spielerinnen leben in Görlitz. Die anderen kommen aus Bautzen, Cottbus, Dresden, sogar Leipzig und trainieren an ihren Wohnorten. Lara Olbrisch: „Das ist Dank des großen Zusammenhalts der sächsischen Vereine möglich.“ Oder sie nehmen Entfernungen von 50 bis 200 km für gemeinsame Einheiten in Kauf. Viele Autobahn-Stunden sind die SVE-Ladies ja von den Spieltagen gewohnt.
Prognose: Wenn aus Zusammenhalt und Feuereifer „positive Energie“ wird, ist der Klassenerhalt drin.

Kein Unbekannter auf der Bundesliga-Bühne ist der TSV Staffelstein. Von 2020 bis 2022 und nochmals 2024 durften die Oberfränkinnen bereits im Oberhaus auf dem grünen Rasen mitmischen, 2024/25 auch unterm Hallendach. Da reichten zwei Siege aber nicht zum Klassenerhalt. Man muss nicht der berühmte, in Bad Staffelstein geborene Rechenmeister Adam Riese sein, um zu wissen: Diesmal müssen mehr Siege her. So oder so, die Mannschaft aus der Kurstadt wollen ein unbequemer Gegner für die etablierten Teams sein. Der Kader um Spielführerin Jule Donath ist aber ein wenig geschrumpft. Angreiferin Ulla Donath hat nach vielen Jahren aufgehört, Luisa-Marie Hetzel (Abwehr) konzentriert sich auf ihre Ausbildung. Seit der letzten Zweitliga-Hallenrunde unterstützt Annika Hußnätter vom ASV Veitsbronn die Defensive. Ohne Fleiß kein Preis: Staffelstein legte zu den üblichen zwei Einheiten pro Woche zusätzliche gemeinsame Trainingstage ein. Prognose: der Klassenerhalt wäre ein schöner Erfolg.

Die Frauen des TV Stammheim haben sich seit 2022 (Ausnahme: Hallenrunde 2024/25) zum festen Liga-Mitglied gemausert und machten vor allem auf dem Feld in den letzten drei Jahren Fortschritte. Diesen Weg möchte Trainer Flo Gruner, der nun mit Daniel Nacke den Kader betreut, gerne weiter beschreiten. Allerdings müssen sie Änderungen im Kader kompensieren. Eva Winkler (Abwehr) hat ihre Karriere beendet, Zuspielerin Sarah Abramek fällt wegen Auslandsaufenthalts aus. Junge Spielerinnen aus der TVS-Kaderschmiede werden den Kader deutlich verjüngen. „Wir waren sehr früh in der Halle und haben beim Turnier in Gärtringen viel getestet“, berichtet Coach Gruner. „Unser Ziel ist die Klasse zu halten – eine große Aufgabe mit diesem jungen Kader. Aber wir haben mit Lisa Knodel, Larissa Keser, Stella Dörr und Anja Brezing erfahrene Bundesligaspielerinnen, die unseren Nachwuchs führen.“
Prognose: Die Stammheimer schaffen’s.

Im letzten Winter lief der TV Unterhaugstett richtig heiß, beendete eine richtig starke Hallenrunde mit sieben Siegen im komfortablen Tabellen-Mittelfeld. In der jüngsten Feldrunde hingegen war die Enttäuschung nach dem Abstieg groß. Vera Sauerbrunn trägt erneut die Kapitänsbinde. Ihre Schwester Julia allerdings beendet nach fast 15 Jahren ihre Bundesliga-Karriere und hinterlässt in Abwehr bzw. Zuspiel eine Lücke. Die könnte Selin Dönmez ausfüllen, die aus Hohenklingen kommt. Auch Spielerinnen aus der starken TVU-Jugend sollen unterstützen. Im Angriff wird neben Vera Sauerbrunn die junge Joleen Wenzdorfer noch mehr Verantwortung übernehmen. Die angehende Sportstudentin steht ihrem Team weiterhin voll zur Verfügung – ebenso wie ihr Vater Bernd Wenzdorfer als Trainer. Der musste hinnehmen, dass die Vorbereitung aufgrund von Urlaub, Krankheit und Jugendmeisterschaften recht spät begann. Das Saisonziel formuliert Vera Sauerbrunn: „Wir wollen den Klassenerhalt möglichst früh erreichen.“
Prognose: Der TVU bleibt erstklassig.

Die Voraussetzungen für den TSV Pfungstadt, um ganz oben im Süden und dann vielleicht auch bei der DM in Stuttgart eine Rolle einzunehmen, sind schwer einzuschätzen. Kim Trautmann, die Dauerbrennerin in Pfungstadts Schaltzentrale, musste sich kürzlich einer Operation unterziehen und konnte nicht mittrainieren. Ob sie rechtzeitig zum (verspäteten) Saisonstart fit ist? Das ist ebenso unklar wie bei der angeschlagenen Joanna Sator. Abwehr-As Leonie Modenese setzt gesundheitsbedingt komplett aus. Aber es zeigt sich auch ein neues Gesicht in den Pfungstädter Reihen: Lara Storck kommt von der TSG Tiefenthal mit der Empfehlung als Abwehrspielerin in der Pfälzer Männer-Verbandsliga. Faustball-Legende und Spielertrainerin Stephanie Thomas soll künftig wieder häufiger auf der Platte stehen und Regie übernehmen. Beim Turnier in Gärtringen unterlag Pfungstadt nur dem TSV Dennach. Mit Platz 2 liebäugelt der TSV auch für die Süd-Runde – „auch wenn es schwer ist, zur Deutschen nach Stuttgart zu kommen: Wir haben dieses Ziel und wollen angreifen“, so Kim Trautmann.
Prognose: Zwischen Platz 2 und 5 ist alles drin.

Der vierte Platz im letzten Winter war natürlich zu wenig für die Ansprüche des TSV Calw. Die Schwarzwälderinnen sind es eigentlich gewohnt, um Edelmetall bei deutschen Meisterschaften zu kämpfen. Natürlich war das Resultat dem dauerhaften Ausfall von Henriette Schell geschuldet. Nun ist „Henny“ wieder da, rückt aber – aufgrund ihrer Verletzungshistorie – vom Angriff ins zweite Glied zurück: Sie wird in der Abwehr spielen. Wer nun neben der erfahrenen Fenja Stallecker schlagen wird, muss sich in der Mannschaft von Trainer Rolf Schlotter noch herauskristallisieren. Der bewährte Kader bleibt ansonsten unverändert und „wir werden versuchen, Spielerinnen unseres zweiten Teams, also aus der 2. Bundesliga, einzubinden“, verrät Spielführerin Leonie Pfrommer. Die gelungene Vorbereitung sollte den Calwerinnen Mut machen. Ein Mixed-Team der beiden Calwer Mannschaften wurde Dritter in Gärtringen, in Schweinfurt holten sie den Sieg. „Spaß haben und unter die Top-3 kommen“, formuliert Leonie Pfrommer die Devise.
Prognose: Machbar.

Seit vielen Jahren gehört auch der TV 1880 Käfertal zu den Top-5 des Südens – ob unterm Dach oder auf dem grünen Rasen. Letzten Winter gingen die Mannheimerinnen den nächsten Schritt und wurden Dritte, was angesichts der Final-Four-Qualifikation aber nicht nur ersten DM-Teilnahme berechtigte. Dennoch: Fortschritte sind in der eingespielten Mannschaft erkennbar. Für eine Fortsetzung dieses Trends spricht, dass der gewohnte Kader beisammenbleibt. Spielertrainerin Nadine Conrad muss jedoch weiterhin auf Yasmin Yasin in der Abwehr verzichten, die letzten Sommer verletzungsbedingt fehlte. Die Vorbereitung viel bei den Kurpfälzerinnen aufgrund von Jugendtrainertätigkeiten, Urlaub oder Krankheit kurz aus. Yasmin Yasin formuliert als „Fan“ statt als Spielerin: „Die letzten Hallensaisons verliefen etwas unglücklich, aber dennoch erfolgreich. Darauf wollen wir aufbauen – also oben mitspielen und schauen, was geht.“ Fazit: Da geht was Richtung oberes Tabellendrittel.

In der heimischen Halle wurde der TSV Dennach vor zwei Jahren Meister, im Vorjahr Dritter in Stuttgart und letzte Feldsaison Zweiter in Bardowick – die Pink Ladies zählen stets zu den Top-Favoritinnen auf eine DM-Medaille. Die Gegnerinnen im Bundesliga-Süden jedenfalls fürchten die technische und spielerische Stärke der Schwarzwälderinnen, die auch in dieser Runde in gewohnt starker Aufstellung in die Spielrunde gehen. Ausnahme: Abwehrspielerin Laura Schinko steht dem Team nicht mehr zur Verfügung. Ansonsten business as usual: Kapitänin Sonja Pfrommer geht voran, Anna-Lisa Aldinger gibt die nicht minder erfahrene Spielertrainerin mit großer Übersicht und taktischer Raffinesse. Der Turniersieg in Gärtringen unterstreicht: Diese Mannschaft gilt es zu schlagen und das Ziel ist klar, so Aldinger: „die Qualifikation zur DM in der Scharrena“.
Prognose: Dennach ist der klare Favorit auf Platz 1.

Der letzte Winter war die Zeit des TV Segnitz. Mit 30:2 Punkten die Nummer 1 im Süden – und am 1. März 2026, ein historischer Tag, auch die Nummer 1 in Deutschland. In Stuttgart holten die Fränkinnen den heiß ersehnten Meistertitel ans heimische Main-Ufer. Angeführt von Angreiferin Svenja Schröder, die nach Medizinstudium und als praktizierende Klinikärztin dann aber öfter verhindert war. So blieb auf der grünen Wiese plötzlich nur noch Platz 4 im Süden. Und nun müssen Kapitänin Luisa Kaemmer, Linda Müller und Lea Hoyer komplett die Verantwortung im Angriff übernehmen, da Svenja Schröder das Trikot wohl gar nicht überstreifen wird. „Wir können berufsbedingt nicht mit dem gesamten Kader der vergangenen Saison auflaufen“, so Luisa Kaemmer. „Dafür füllen wir mit Jugendspielerinnen auf.“ Trainer Uli und Betreuerin Steffi Lauck blicken auf eine motivierte Vorbereitung. Neben Lauf- und Krafttraining in der (zu kleinen) Halle stehen Einheiten in Nürnberg auf dem Programm. „Wir geben unser Bestes und schauen, wo uns das hinführt. In der oberen Ligahälfte wollen wir mitmischen.“
Prognose: Obere Ligahälfte: ja. DM-Teilnahme: nein.

 

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