DM Bardowick 2026: DM-Teamcheck Frauen

Foto: Lars Neumann

Mit den jeweils Ersten und Zweiten der Bundesliga-Staffeln Nord und Süd – die Mannschaften aus Ahlhorn, Schneverdingen, Dennach und Calw – stehen vier Dauerbrenner einmal mehr in der Endrunde. Dazu gesellen sich mit Brettorf und Pfungstadt zwei Teams, die sich in der Außenseiterrolle wohl fühlen und nur zu gerne das Establishment aufmischen würden. Wir haben Spielerinnen aller teilnehmenden Vereine zur DM-Stimmung und zu ihren Hoffnungen befragt.

Qualifikationsspiel 1: Calw – Brettorf

Höhen und Tiefen kennzeichneten die Feldrunde des TSV Calw, „aber wir haben uns durchgekämpft und in den entscheidenden Momenten viel Biss gezeigt“, so Leonie Pfrommer. Die Kapitänin der „Löwinnen“ aus dem Schwarzwald freut sich darauf, dass auch die Calwer Männer in Bardowick dabei sind. „Die Vorfreude im ganzen Verein ist riesengroß und das überträgt sich auch auf uns Teams. Wir werden da viel Support haben“ – trotz der Anreise von rund 650 Kilometern. Hoffnungen ruhen auf der Doppelspitze mit Fenja Stallecker und der nach langer Verletzungspause zurückgekehrten Henriette Schell. Aus der zweiten Mannschaft (2. Bundesliga Süd) nimmt Trainer Rolf Schlotter zwei Spielerinnen mit, um den sechsköpfigen Stammkader zu ergänzen. Gegner im ersten Spiel des Turniers ist der TV Brettorf. „Leo“ Pfrommer: „Ich denke, die Chancen sind 50/50, das ist definitiv kein leichter Gegner. Eines ist aber sicher: Es wird eine tolle Stimmung auf der Tribüne geben mit unseren Fans und dem bekannten Brettorf-Block.“ Schließlich ist auch der TVB mit zwei Teams im DM-Fieber. Ziel der Calwerinnen ist – wie bei allen Qualifikanten –, nicht schon nach einem Spiel die Taschen packen zu müssen.

Calw und der TV Brettorf… da war doch was? Klar, noch unter ihrem Mädchennamen Hollmann kratzte Ida Jungclaussen drei Jahre lang im Trikot der Schwarzwälderinnen die Bälle von der Grasnarbe, während sie mit Leonie Pfrommer in Heidelberg studierte. Nun stehen sich beide gegenüber. Der TVB qualifizierte sich als letztes Team für die Meisterschaft. Aber Vorsicht: der Step nach Bardowick gelang nicht ohne Grund, denn die Brettorferinnen drehten zuletzt immer stärker auf. „Die Saison begann durchwachsen, mit je 2:2 Punkten pro Spieltag“, erinnert sich Ida Jungclaussen an den unrunden Mai. Da wurde viel rotiert: Aushelfen bei der zweiten Mannschaft, Verletzungen, Auslandsaufenthalte. Doch im Endspurt kletterte man in der Tabelle. Ob der Trend eine Fortsetzung findet? An der Stimmung wird‘s kaum scheitern. „Mit zwei Mannschaften und dem faustballverrückten Dorf im Rücken ist Vorfreude vorprogrammiert“, so Ida Jungclaussen. Coach Marc Lange rückt mit acht Spielerinnen und Betreuer Tom Hartung an. Aber niemand kennt den Gegner so gut wie die flinke Ida Jungclaussen: „Mein Herz blutet ein wenig, dass Calw oder wir schon am Samstag gegen 11 Uhr ausgeschieden sein werden.“ Vorteil Brettorf: „Wir haben keinen Druck und freuen uns, dass es endlich losgeht.“

Qualifikationsspiel 2: Pfungstadt – Schneverdingen

Im Sommer 2024 schnupperten die Frauen des TSV Pfungstadt auf Stuttgarter Rasen erstmals DM-Luft und kämpften aufopferungsvoll beim Quali-1:3 gegen Favorit Ahlhorn. Kapitänin Kim Trautmann und ihre Mitstreiterinnen waren angefixt. Nun geht es ins zweite Endrunden-Abenteuer, und zwar voller Optimismus: „Die Saison verlief sehr positiv. Dinge, mit denen wir in den letzten Jahren Schwierigkeiten hatten, konnten wir viel besser umsetzen: in entscheidenden Momenten unsere Leistung abzurufen, geduldig und ruhig zu spielen.“ Schon daher reist gute Stimmung und Vorfreude mit aus dem Süden Hessens in die Lüneburger Heide. Die Fäden ziehen zwei Schwägerinnen: Hauptangreiferin Teresa Thomas (geb. Spadinger) und die erfahrene Spielertrainerin Stephanie Thomas (geb. Dannecker). Abwehrspielerin Leoni Modenese fehlt verletzt und gegen Schneverdingen „sind wir – auf dem Papier – sicherlich der Underdog. Aber wir wissen, was wir können und ein DM-Spiel kann so oder so ausgehen“, so Kim Trautmann. Das Rezept gegen den nominellen Favoriten: „Wir gehen die Begegnung mit Ruhe in unserem Spiel an. Der Rest kommt durch die Stimmung und den Kampfgeist. Wir wollen auch am Sonntag mitspielen.“

Laura Kauk vom TV Jahn Schneverdingen blickt auf eine „durchwachsene“ Saison. Verletzungen und personelle Veränderungen erforderten immer neue Formationen, da wurde schon mal Schlagfrau Helle Großmann in die Abwehr beordert. „Wir mussten uns neu einordnen. Ahlhorn, gegen die wir zwei Mal 0:3 verloren haben, ist aktuell die Schippe besser.“ Für Platz 2 im Norden hat‘s gereicht. „Schön, aber Favoriten sind wir diesmal sicher nicht.“ Dennoch sieht Laura Kauk auch Gutes: „Wir konnten auf jede Situation reagieren und das Beste draus machen. Warum also nicht auch bei der DM? Wir fahren ohne Druck nach Bardowick. Das ist wie ein Heimspiel, wir werden viel Unterstützung bekommen, es wird eine richtig coole Meisterschaft. Wir haben Bock zu spielen.“ Trainerin Christine Seitz schöpft personell aus dem Vollen, inklusive dreier Youngster, die zuletzt stark aushalfen. Laura Kauk über den Gegner: „Wir haben sie noch nicht oft gesehen, kennen Stärken und Schwächen nicht. Pfungstadt spielt im Süden immer oben mit. Das zeigt, dass mit ihnen zu rechnen ist.“ Das DM-Einstimmungsritual wird auch diesmal über die Bühne gehen: „Auf der Fahrt zum Spielort bringt immer jede ein paar Snacks mit für unser Schnevi-Büffet.“ Bei nur 45 Auto-Minuten nach Bardowick müssen die Heidschnucken diesmal aber etwas schneller futtern.

Die Halbfinalisten: Ahlhorn und Dennach

Titelverteidiger Ahlhorner SV drehte in der Nord-Liga auf und blieb bei 42:7 Sätzen ohne Niederlage. Das macht Kapitänin Sarah Albrecht glücklich. „Die Saison verlief super, wir konnten alle viel Spielzeit sammeln und uns an verschiedene Konstellationen rantasten.“ Klar, dass ein Traditionsklub wie der ASV zahlreiche Fans mitbringen wird. „Vielleicht sogar“, so die Kapitänin, „diesmal noch ein paar extra, wenn es mal nicht ganz so weit weg ist. Wir versuchen unsere gute Stimmung einfach so beizubehalten und aufs Spielfeld zu bringen.“ Wenige Tage vor der Endrunde war der Kader komplett: alle an Bord, dazu zwei Spielerinnen aus der zweiten Mannschaft. Ein wenig hofft Sarah Albrecht auf heißes Wetter, denn dann könnte es ein Vorteil sein, am Samstag Kräfte zu sparen und ohne Qualifikationsspiel direkt ins Halbfinale einzusteigen. Die Vorzeichen stehen also gut für die Sportlerinnen aus dem Großenknetener Stadtteil. Das Selbstbewusstsein ist entsprechend hoch. „Wir wollen definitiv ins Finale und den Titel aus dem letzten Jahr verteidigen“, so die routinierte Abwehr-Chefin, die mit ihrem Team am Freitagabend – wie immer vor einer DM – etwas zur Stärkung beim Italiener bestellt.

Den TSV Dennach und das Ahlhorner Team vereinen Gemeinsamkeiten: Beide gehören seit weit über zehn Jahren wie Inventar zu den Meisterschaften, beide wurden diese Runde ungeschlagen Staffel-Erste – Dennach sogar mit 48:5 Sätzen und 32:0 Punkten – und beide verfügen über herausragende Regisseurinnen. Bei den „Pink Ladies“ ist das Anna-Lisa Aldinger, die auf eine „sehr harmonische und erfolgreiche Saison“ zurückblickt, was wohl nicht immer so war, wie sie augenzwinkernd verrät. Wenn die Stimmung und Vorfreude passt, alle Spielerinnen einsatzbereit sind – so wie in diesem Juli –, dann läuten bei jedem Gegner die Alarmglocken. Einzige Ungewissheit für „Susi“ Aldinger: „Ich sehe den Turniereinstieg am Samstagnachmittag mit dem Halbfinale mit gemischten Gefühlen. Es hat den Vorteil, dass du auf jeden Fall an beiden Tagen spielst und Körner sparst, aber du weißt im Gegensatz zu deinem Gegner noch nicht, wie sich der Rasen verhält und musst dich erst in die DM-Stimmung hineinkämpfen.“ Klar ist aber, dass ein Halbfinalsieg her soll. Das Ziel, „viel Spaß bei der Meisterschaft zu haben“, wäre dann schon automatisch erreicht. Die weite Entfernung nach Bardowick wird allerdings auch den ein oder anderen Fan kosten.

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